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News2019-03-17T15:10:26+00:00

2019 – Winter-Traingslager Florida

Aufgrund der guten Erfahrungen vom 2018 war ich auch dieses Jahr für ein ausgedehntes Gundlagentraining in Florida.

Gleich um die Ecke eines Radweges konnten wir ein Haus mieten. Der sogenannte Rail-Trail (Radweg auf einem stillgelegten Bahntrasse) war ca. 75 km lang,  sauber geteert, breit und hatte wenige Strassenkreuzungen; einfach ideal für mein Training.

Dank den guten wetterlichen Bedingungen konnte ich das vorgegebene Trainingsprogramm wie geplant umsetzen.

Handbike Benjamin Frueh Schablone Mit dabei hatte ich natürlich auch mein neues Handbike. Nachdem ich in der Schweiz vorwiegend auf der Rolle alles ausgetestet hatte, erfolgten nun die entscheidenden Tests auf der Strasse.

Es zeigte sich schnell, dass kleinere Verschiebungen der Sitzposition und Beinstellung unterschiedliche Resultate brachten und die diversen Schablonen und Verstellmöglichkeiten gut zu brauchen waren.

Nach etlichem Pröbeln habe ich nun eine Position gefunden, in der ich mich wohl fühle und erst noch die Kurbel effizient drehen kann.

Bei der Windschlüpfrigkeit muss ich im Moment noch Abstriche in Kauf nehmen, da ich Rücksicht auf meinen Körper nehmen muss, damit ich keine Spastik bekomme.

Florida Trainingslager 2019

2019 – Ausblick

Mit den Ehrungen der Schweizer Sportler durch Bundesrat Guy Parmelin fand in Bern das Jahr 2018 seinen Abschluss, währenddem das Wintertraining für die Saison 2019 schon wieder begonnen hat.

Neben dem normalen Rollentraining freue ich mich jetzt schon auf das Grundlagentraining ab Mitte Februar an der Wärme in Florida. Da werde ich viele längere, flache Trainings machen können.

Auch sonst wird sich in meinem Umfeld im 2019 viel verändern, so werde ich die Saison selbständiger planen und organisieren müssen, da ich aus dem Team Cycling3 ausgetreten bin.

Mein neues Handbike ist – nach einer längeren Anpassungszeit – endlich einsatzbereit. Aufbauend auf den Teilen von Carbonbike.usa habe ich zusammen mit dem Zweiradshop in Bubikon die Veloteile sowie mit Orthotec in Nottwil die orthopädischen Teil ausgesucht. Alles passt nun zusammen und das Training mit dem neuen Bike macht schon auf der Rolle Spass. Was fehlt ist noch der Härtetest im Trainingslager und dann natürlich der Einsatz in den Rennen.

Im 2019 gilt es nun möglichst viele Quotenplatzpunkte für Tokyo 2020 herauszufahren, damit die Schweiz möglichst viele Athleten an die Paralympics schicken kann. Am meisten Punkte sind an den Weltcups und an der WM zu holen und genau da möchte ich natürlich auch am meisten glänzen.

Sportlerehrung 2018 Bundesrat Guy Parmelin mit Benjamin Früh

2018 – WM Bronze in Maniago

Basierend auf dem Wintertraining in Tampa (USA) machte ich in diesem Jahr Fortschritte auf flacheren Parcours. So kam ich je einmal aufs Podest bei den zwei Weltcups in Ostende (BEL) und Emmen (NED).

Das Highlight war jedoch die Bronze-Medaille an der WM in Maniago (ITA), die ich im Zeitfahren hinter Fabrizio Cornegliani (ITA) und Pieter du Preez (RSA) holte.

Dank meinen zwei Siegen beim Weltcup in Baie-Comeau (CAN) erreichte ich im UCI-Jahresranking den ersten Rang. Dies ergibt für die Schweiz wichtige Quotenplatzpunkte für die Paralympics 2020 in Tokyo.

Mit weiteren Podestplätzen an UCI (C1 und C2) und EHC-Rennen konnte ich ein höchst erfolgreiches 2018 feiern.

2017 – WM Gold und Silber in Südafrika

Bis jetzt war das 2017 mein absolutes Karriere-Highlight mit dem Gewinn des Weltmeisterschaftstitels im Zeitfahren. Dies gewann ich vor dem Einheimischen Südafrikaner Pieter du Preez. Im Strassenrennen zwei Tage später musste ich Pieter dann den Vortritt lassen. Dank der Teilnahme an den zwei Weltcups in den Vorjahren, war mir in Pietermaritzburg alles bekannt, insbesondere die Strecken. Dies erwies sich für mich als Vorteil. Natürlich waren auch die Steigungen, die es in sich hatten, gut für mich.

Neben der WM konnte ich auch noch meine ersten 2 Weltcup-Siege einfahren. Einmal im Zeitfahren in Maniago (ITA) und einmal in Ostende (BEL), wo ich im Strassenrennen den Zielsprint einer Spitzengruppe gewann.

Benjamin Frueh Alex Zanardi Paracycling WM 2017 Pietermaritzburg Gold

2016 – Paralympic Rio verpasst

Im Jahr der Paralympics hatte ich keine Chance mich für Rio zu qualifizieren. Ich schaffte es nur auf die Longlist von Swiss Paralympic. Auch bei der Nachselektion wegen dem Bann gegen die Russen, bekam ich keine Chance. Meine Kategorie MH1 musste in Rio zusammen mit den stärkeren MH2 an den Start gehen, wobei ich in so einem Rennen sicherlich den letzten Platz belegt hätte.

Meine Saison war aber trotzdem sehr aufregend und ich konnte an vielen neuen Orten Rennen bestreiten:

  •  So fuhr ich erstmals in Abu Dhabi auf der Formel-1-Strecke ein EHC-Rennen.
  •  Beim Weltcup in Bilbao (SPA) erzielte ich beim Strassenrennen mit dem 2. Platz hinter Teppo Polvi (FIN) meine bis dahin beste Platzierung im Weltcup.
  •  Am Ende der Saison startete ich erstmals am Berlin Marathon und erreichte mit einer Zeit unter 2 Stunden mein gestecktes Ziel.
Benjamin Frueh Berlin Marathon

2015 – WM Bronze in Nottwil und Newcomer Award

Das 2015 erwies sich im Nachhinein als Jahr meines internationalen Durchbruches.

Dabei geholfen hat sicherlich das neue Carbonbike von Franz Nietlispach, womit ich erstmals ein modernes Renn-Handbike zur Verfügung hatte.

Benjamin Früh, UCI Para-Cycling, WM Nottwil 2015

Benjamin Früh (23), WM Nottwil 2015

Dank guten Klassierungen an den Weltcups in Yverdon und Elzach konnte ich mich für die Heim-WM in Nottwil qualifizieren.

Da gelang mir die grosse Überraschung mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Zeitfahren und dem 4. Platz im Strassenrennen.

Aufgrund dieser Leistung wurde ich Ende Jahr anlässlich der Swiss Paralympic Nacht mit dem Allianz Newcomer Award 2015 ausgezeichnet.

Benjamin Frueh Siegerehrung UCI Para-cycling WM Nottwil 2015

2012-14 – Handbike-Rennen: Regional zu International

Das neue Schmicking Handbike bewährte sich und die Rennen bereiteten immer mehr Freude. Dies obwohl das Bike absolut nicht auf Geschwindigkeit getrimmt war, sondern einfach bestens auf meine Behinderung abgestimmt war. So waren zum Beispiel viele Einzelteile horizontal- und vertikal verstellbar, oder im Vorderrad war eine Rohloff Nabenschaltung mit 14 Gängen eingebaut. Gewichtmässig war das Bike gar nicht optimal, vor allem wenn man bedenkt, dass ich das Bike nur mit einer Hand auf Geschwindigkeit bringen muss. Was aber blieb und mich wahrscheinlich immer Zeit kosten wird, sind die schwankenden Bewegungen des Vorderrad, herrührend vom einarmigen Antrieb.

Da in meiner Behinderungskategorie MH1 nur sehr wenige Schweizer Athleten regelmässig bei den Rennen am Start waren, entschied ich mich ab 2012 vermehrt internationale Rennen zu bestreiten, um Vergleichsmöglichkeiten und Konkurrenz zu haben.

Ab dem Jahr 2014 wurde meine Behinderungskategorie von der UCI aufgewertet. Wir wurden eine eigene Kategorie und musste nicht mehr gemeinsam mit den gut 10 Stundenkilometer schneller fahrenden MH2ern mitfahren.

Benjamin Frueh Handbike 2011 Recherswil

2008-2011 – Handbike Aufbau und Lehrjahre

Im Rollstuhlclub Zürich machte ich bei Regula Merkt und Guido Müller, neben dem Unihockey, die ersten Runden mit einem Handbike. Ich lernte die Geschwindigkeit und die Dynamik kennen und spüren. Seit diesem Zeitpunkt wusste ich, dass diese Sportart für mich enorm viel Freude und neue Herausforderungen bieten wird. Plötzlich konnte ich mich aus eigener Kraft schneller fortbewegen und ab da gab es kein Zurück mehr. Ich hatte meinen Sport gefunden.

Mein erstes Handbike habe ich 2008 im Internet gesucht. Dabei stiess ich auf ein Occasionbike in Nürnberg.  Zusammen mit meinem Reha-Betreuer Gino Trebucchi habe ich es dann gekauft. Ab da stand eine grosse Herausforderung immer im Mittelpunkt: Wie befestige ich meine linke Hand? Verbände, Klettverschlüsse, Handschuhe mit Schlaufen wurden ausprobiert – doch nichts funktionierte so richtig.

Bis ein Bild von Beat Bösch, der an den Händen ähnlich eingeschränkt ist, die Lösung brachte. Bei einem Besuch in Nottwil konnte ich dann die erste Silikonorthese ausprobieren.

So konnte bei den ersten Rennen bald einmal eine Lösung gefunden werden, wie die linke Hand besser befestigt und unterstützt werden muss, damit meine Skoliose nicht verschlimmert und annähernd eine stabile und gesunde Haltung im Liegebike erzielt werden konnte.

Aufgrund der gemachten Erfahrungen an diversen kleineren Abendrennen sowie Rennen am Nationalen Handbikecup entschied ich mich 2010 zum Kauf eines ganz auf meine Behinderung abgestimmtes, neues Bikes. Am Anpassungsfähigsten für Jugendliche im Wachstum zeigte sich ein Handbike der Marke Schmicking.

Benjamin Früh Handbike 2010